JAGDLAND BAYERN

Ressort · Wildtiere

Wildtiere in Bayern

Wer jagt, muss Arten lesen können: ihre Lebensräume, ihre Rhythmen, ihre Spuren. Dieses Ressort ist das Naturkunde-Kabinett des Journals — Porträts statt Steckbriefe, Zusammenhänge statt Zahlenkolonnen.

Von der Redaktion · 21. Juni 2026

Identitätstafel: eine Spur verschiedener Trittsiegel — Schalen von Reh und Wildschwein, Pfote des Fuchses, Kralle eines Vogels — zieht diagonal über die Tafel
Tafel XI · Fährtenlese: Reh, Sau, Fuchs, Vogel — Zeichnung der Redaktion

Ein gutes Artenporträt beantwortet drei Fragen: Wie lebt diese Art — nicht im Lehrbuch, sondern im konkreten bayerischen Lebensraum zwischen Bergwald, Feldflur und Stadtrand? Woran erkennt man sie sicher, auch im schlechten Licht des frühen Morgens? Und was bedeutet sie für das Revier — als Wildbret, als Schadensverursacher, als Sorgenkind oder als stiller Gradmesser für den Zustand der Landschaft? Nach diesem Muster sind alle Porträts dieses Kabinetts gebaut.

Vier Porträts eröffnen das Kabinett — zwei Alltagsarten, zwei Besonderheiten. Zu jeder Art gehört ihr Kalender: welche Jagdzeiten je Art gelten, steht im Almanach, und welchen rechtlichen Rahmen die Bejagung hat, ordnet das Jagdrecht-Ressort. Hier geht es um das Tier selbst.

Kopfstudie eines äugenden Rehbocks mit kurzem Gehörn und großen Lauschern — feine Linienzeichnung

Rehwild

Capreolus capreolus

  • Schalenwild

Die vertrauteste Wildart des Landes — und die am häufigsten unterschätzte: Wer Rehwild wirklich ansprechen kann, hat das halbe Revier verstanden. Zum Porträt: Rehwild

Seitenprofil eines ziehenden Keilers mit Borstenkamm und aufgeworfenem Gebrech — feine Linienzeichnung

Schwarzwild

Sus scrofa

  • Schalenwild

Klug, sozial, nachtaktiv und ständig in Bewegung: keine Art fordert Jagd, Landwirtschaft und Seuchenvorsorge gleichzeitig so wie die Sauen. Zum Porträt: Schwarzwild

Balzender Auerhahn mit aufgestelltem, gefächertem Stoß und erhobenem Haupt — feine Linienzeichnung

Auerwild

Tetrao urogallus

  • Raufußhühner

Der scheue Charaktervogel des Bergwalds steht für eine Jagd, die längst Beobachtung geworden ist — und für Lebensräume, die Ruhe brauchen. Zum Porträt: Auerwild

Sitzende Ringeltaube im Profil mit hellem Halsfleck und Flügelbinde, auf einem Ast — feine Linienzeichnung

Ringeltaube

Columba palumbus

  • Federwild

Die größte heimische Taube pendelt zwischen Stadtpark und Rapsschlag — ein Lehrstück darüber, wie anpassungsfähig Wildtiere sein können. Zum Porträt: Ringeltaube

Marder, Dachs & Co. — das Haarraubwild

Nicht jede Art trägt ein eigenes Porträt, und doch gehören sie zum Revier wie der Morgennebel: Steinmarder und Baummarder, der Dachs in seinem generationenalten Bau, Fuchs, Iltis und Hermelin. Dieses Haarraubwild ist das heimliche Rückgrat vieler Reviere — selten gesehen, ständig anwesend, an Spuren, Trittsiegeln und Rissbildern ablesbar. Für die Jagd sind diese Arten doppelt bedeutsam: als Gegenstand der Niederwildhege und als Gradmesser dafür, wie gut man sein Revier tatsächlich kennt. Eigene Porträts folgen; bis dahin sammelt dieser Abschnitt die Familie im Überblick.

Wer diese Arten kennenlernen will, braucht übrigens kein Fernglas, sondern Geduld und einen verschneiten Morgen: Kaum etwas verrät das heimliche Leben des Reviers so zuverlässig wie eine frische Spurenlage — die Fährte des Fuchses schnurgerade über die Wiese, das geschäftige Hin und Her der Marder am Holzstoß, die breiten Bahnen des Dachses zum Bau.

Warum Porträts statt Datenblätter

Man könnte Arten auch tabellarisch abhandeln — Gewicht, Maße, Setzzeiten. Dieses Kabinett tut es bewusst nicht, aus zwei Gründen: Erstens veralten Zahlen und streuen regional so stark, dass die Tabelle Genauigkeit nur vortäuschen würde; belastbare Werte gehören zu den amtlichen Quellen, die jedes Porträt verlinkt. Zweitens braucht das Revier ohnehin etwas anderes als Zahlen: den Blick für Verhalten, Zeichen und Zusammenhänge. Wer weiß, wie eine Art „denkt", erkennt sie auch ohne Maßband.

Die großen Rückkehrer

Und dann sind da die Arten, über die das ganze Land spricht: Luchs, Bär und Wolf sind nach Generationen der Abwesenheit wieder Thema in Bayern — rechtlich streng geschützt, emotional heftig umstritten, jagdlich eine neue Wirklichkeit. Weil sich ihre Geschichte nicht in einem Artenporträt erschöpft, behandelt sie das Naturschutz-Ressort ausführlich.

Wie dieses Kabinett wächst

Das Kabinett ist auf Zuwachs gebaut: Weitere Porträts folgen in der Reihenfolge, in der die Arten das Jagdjahr prägen — und jedes neue Porträt hält sich an dasselbe Muster aus Lebensweise, Ansprechen und Bedeutung fürs Revier. Artangaben, die wir nicht sicher belegen können, erscheinen dabei nicht als Fakten: Was noch der Prüfung bedarf, steht als offener Platzhalter im Text — nachzulesen im Ressort Redaktion. So wächst hier langsam, aber belastbar, ein Naturkunde-Kabinett des Freistaats.