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Jagd ist angewandter Naturschutz


"Jagd ist angewandter Naturschutz", dieser Slogan ist für jeden Jäger selbstverständlich. In der Tat wird gerade im Bereich Lebensraumverbesserung für das Wild viel getan, wovon wiederum die ganze Bandbreite an wildlebenden Tieren, von den Kriechtieren bis zu den Singvögeln, und natürlich auch selten gewordene Pflanzen, profitieren.

Aber hiermit sind nicht alle Ressourcen im Naturschutz ausgeschöpft.

Denn bei genauer Betrachtung bietet sich dem Jäger beim Artenschutz, Umweltschutz und Naturschutz eine ganze Palette von Projekten.

Vor allem im Artenschutz kann der Jäger ohne viel Aufwand jede Menge bewirken! Artenschutz kann aber nur dann erfolgreich betrieben werden, wenn die Lebensgrundlagen von bedrohten Arten erhalten bzw. verbessert werden können.

So bietet, um ein Beispiel zu nennen, die Fledermaus ein reiches Betätigungsfeld, von Schlupfbrettern im Sommer an geeigneten Kanzeln bis zu Schlupflöchern an Scheunen für den Winter. Wichtig sind auch immer wieder Nistkästen und natürlich die Sorge vom Jungwild bis zu den Bodenbrütern, die ja alle in ihrem jungen Leben des besonderen Schutzes bedürfen.

Ebenso findet die Sorge des Jägers um saubere Waldwege und Waldränder immer wieder Anklang. Der Umweltschutz präsentiert sich in vielschichtigen Facetten, man kann seine Probleme am besten großflächig, in Hegegemeinschaften, anpacken.

Des weiteren wartet in den kommenden Jahrzehnten eine besondere Spezialisierung, nämlich die Mitarbeit in sogenannten ?Geschützten Gebieten?. Nicht zuletzt auf Drängen der EU durch die FFH-Richtlinie von 1992 und die Vogelschutzrichtlinie von 1979 werden mehr und mehr Flächen unter Schutz gestellt. Schon heute hat Bayern sieben Ramsar-Gebiete und 674 FFH-Gebiete nach der Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie (645.420 Hektar). Dies entspricht einem Flächenanteil von rund 9,2 Prozent.

Es ist durchaus möglich, dass schon bald zehn bis 20 Prozent der Landesfläche in irgendeiner Form von einem Schutzstatus berührt werden. Die Jagd muss sich dort weiterhin positiv einbringen.

Fazit: Die Jagd ist ein wichtiges Element im Bereich ?Natur? mit vielen breitgefächerten Ressourcen. Bei dem Thema ?Jagd und Naturschutz im 21. Jahrhundert? darf aber nicht schnell zur Tagesordnung übergegangen werden. Zu wichtig ist unsere Zukunft. Der Naturschutz muss ein fester Bestandteil der Jagdpolitik in den nächsten Jahrzehnten bleiben und zum Dauerthema ausgebaut werden.

Allerdings identifizieren wir uns bei aller Aufgeschlossenheit nicht mit Kreisen aus dem extremen Öko-Lager, wo man glaubt, die Zukunft der Jagd mit völlig irrelevanten Ideen abhandeln zu müssen.

 

 

Fürst zu Castell-Castell

Wir müssen umdenken - und handeln

Noch vor kurzem glaubte ich, dass im Casteller Wald durch unsere langjährige, konsequente naturgemäße Bewirtschaftung keine Kahlflächen mehr entstehen werden.

Nun ist es jedoch anders gekommen, überraschend, überhaupt nicht eingeplant und schon gar nicht erwartet. Was ist geschehen?

Stürme, die sich mehrfach auch bei uns als Orkane entwickeln, haben große Schäden angerichtet. Vor allem die Fichte hat nicht Stand gehalten. Viele umgeworfene, geknickte und abgebrochene Bäume mussten aufgearbeitet werden. Äste, Wipfel und natürlich auch noch stehende Bäume, deren Wurzeln aber gerissen sind, sind ein willkommenes Fressen für den Borkenkäfer geworden. Diese kleinen Tiere haben sich millionenfach vermehrt. Hohe Temperaturen im Sommer, milde Winter und zu wenig Feuchtigkeit bieten einen geradezu idealen Lebensraum für diese Schädlinge.

Was können wir tun?

Man kann sich gegen diese kleinen, Holz fressenden Tiere nicht schützen, denn wir wollen keine großen Waldgebiete vergiften, weil dadurch auch andere Tiere geschädigt oder getötet werden. So müssen wir uns auf die genaue Beobachtung, laufende Kontrollen und ständige Aufarbeitung von sichtbar kranken Bäumen konzentrieren. Inzwischen sind das so viele geworden, dass sich in unseren Steigerwaldrevieren das Waldbild völlig gewandelt haben. Es sind große Kahlflächen entstanden, auf denen kein Baum mehr steht. Es sind auch in vielen Beständen junge Bäume, die noch kein verwertbares Holz liefern, abgestorben oder zeigen Dürreschäden.

Natürlich haben wir uns intensiv mit Klimabeobachtungen und wissenschaftlichen Erkenntnissen über die Klimaerwärmung, die zu erwarten ist, beschäftigt. Die Aussagen sind eindeutig und übereinstimmend: Wir werden eine, zwar langsam, aber stetig fortschreitende Erwärmung erleben. Ich nehme diese Aussagen der Fachleute ernst. Sie zwingt uns, intensiv darüber nachzudenken, wie wir die zukünftige Waldbewirtschaftung handhaben, verändern und sinnvoll für die Zukunft gestalten müssen.

Eine Erkenntnis wird von allen Fachleuten geteilt: Die Fichte wird auf den trockenen Steigerwaldböden in Zukunft keine Lebenschancen mehr haben. Wer das kennt, wird in Zukunft keine Fichten mehr pflanzen und auch das natürliche Aufwachsen junger Bäume verhindern, zumindest nicht fördern. Wie macht man das?

Beim Prüfen und Überlegen ist das Ergebnis wiederum eindeutig. Wir müssen uns wieder auf die seit Jahrtausenden im Steigerwald beheimateten, also zur Urbestockung gehörenden Baumarten besinnen: Eiche, Esche, Linde, Kirsche, Hainbuche und auch Edellaubbäume wie Elsbeere, Ahorn und Speierling müssen wieder in unseren Wäldern eingebracht und heimisch werden.

Es stehen also riesige Aufgaben vor uns. Am Anfang steht das Erkennen der Situation. Sie ist ernst und an einzelnen Standorten eine echte Katastrophe. Dann kommt die Überlegung, was ist zu tun? Unsere Forstleute heben mich überzeugt, dass eine radikale Umstellung ? wir nennen das Umwandlung ? unserer Waldbewirtschaftung notwendig ist. Es ist keine Zeit zu verlieren, wir müssen handeln.

Nun kommen wir zu einem wichtigen Punkt. Alle Baumarten, die ich als ursprüngliche Steigerwaldbewaldung aufgezählt habe, sind Lieblingsspeise für unsere Rehe. Wir nennen das Verbiss. Das Reh ist ein Schleckermaul und sucht sich sorgsam und genau das zur Nahrung aus, was am besten schmeckt. Das sind gerade die Bäume, die wir in Zukunft auf unsere kahl gewordenen Flächen pflanzen wollen und müssen. Der sicherste Schutz vor Rehverbiss ist der Zaun. Es hat aber keinen Sinn, sehr große Flächen als Ganzes einzuzäunen, weil es nicht möglich ist, Zäune so dicht zu halten, dass kein Reh hineinkommt. Sauen ? eine stark verbreitet Wildart ? gehen mit ihrem Körpergewicht unter dem Zaun durch und so entsteht der erste Zugang für die unerwünschten Rehe. Auch noch stehende Bäume können auf Zäune fallen und diese beschädigen. Auf diese Weise wird der ursprüngliche Effekt ins Gegenteil umgekehrt. Wenn ein Reh in den Zaun geraten ist, findet es dort ein üppiges Angebot der bereits beschriebenen Leibspeise.

Hier kommt nun die Aufgabe für die Jagd. Wir können uns einen hohen Rehwildbestand nicht mehr leisten und müssen ihn deswegen reduzieren. Dies geschieht durch intensive Bejagung. Wir haben gute Erfahrungen gemacht und die weniger gewordenen Rehe haben überall, wo das Laubholz als Naturverjüngung angesamt ist, deutlich sichtbare Wirkung.

In den letzten Wochen habe ich aufmerksam die Berichte über die Jagdversammlungen gelesen. Ich wundere mich, dass  es Stimmen unter den Jägern gibt, aus denen zu erkennen ist, dass sie den Ernst der Lage noch nicht erkannt haben.

Ich weiß, dass es schon immer Gegensätze und Meinungsverschiedenheiten zwischen Jägern und Forstleuten gab. Der Jäger ? meist der Jagdpächter ? hat den Wunsch, möglichst viele Tiere in seinem Jagdrevier zu sehen, denn die Jagd besteht ja nicht nur aus dem Abschuss, sondern auch aus der Beobachtung und dem Naturerleben. Wenn wir heute in manchen Gegenden kaum noch Rehe sehen, dann liegt das nicht allein am intensiven Abschuss, sondern auch an der Unruhe in unseren Wäldern, die durch Wanderer, Radfahrer und Pilzsammler entsteht. Das Rehwild ist heimlicher geworden, es zieht oft nur noch nachts auf die Äsungsflächen, deshalb ist auch die Bejagung schwieriger und zeitaufwendiger geworden.

Bei der Abwägung der unterschiedlichen Interessen muss der Waldbesitzer den Erhalt seines Besitzes als obersten Gesichtspunkt beachten. Hier spreche ich besonders unsere Bürgermeister an. Der Wald ist ein kostbares Vermögen unserer Gemeinden und findet im Bewusstsein der Verantwortlichen zu wenig Beachtung. Seine Bedeutung ist aber groß, weil nur ein behutsam bewirtschafteter Wald seinen Wert behält.

Meine Familie lebt seit Jahrhunderten mit dem Wald. Durch Generationen hindurch bis heute ist der Wald unsere wirtschaftliche Grundlage gewesen und geblieben. Viele Männer und Frauen haben in unserem Wald Arbeit und Beschäftigung gefunden. In unzähligen Häusern, Scheunen und Ställen ist Holz aus dem Casteller Wald der wesentliche Baustoff geworden. Wir freuen uns, dass auch das Brennholz wieder Wert und Bedeutung erhalten hat. Holz ist ein hohes Wirtschaftsgut, deshalb muss der Waldbewirtschaftung und damit der Holzerzeugung allerhöchste Aufmerksamkeit gewidmet werden.

Aber noch etwas ist von großer Bedeutung: Unsere Landwirtschaft ? der Erholungswert ? die Freude am Waldbild und oft auch am einzelnen Baum sollen erhalten werden. Es ist vielen Menschen nicht klar, dass auch der Privatwald kostenlos für das Betreten der Allgemeinheit zur Verfügung steht. Das gibt es sonst in keiner anderen Art des öffentlichen und privaten Besitzes.

Weil die Zukunft unserer Wälder allgemeines Interesse verdient, will ich Sie informieren und an den Aufgaben der Walderhaltung und den Maßnahmen teilnehmen lassen, die dazu erforderlich sind. Ich lade Sie ein, in die Reviere Castell, Oberrimbach, Breitenlohe und Friedrichsberg zu kommen. Überzeugen Sie sich selbst, welche Schäden bereits entstanden sind und welche Maßnahmen wir zu deren Behebung ergreifen.

Der Wald hat meine Heimatliebe und mein wirtschaftliches Denken geprägt. Deshalb ist die Erhaltung einer geordneten, zukunftssicheren Forstwirtschaft oberstes Ziel unserer Unternehmensführung. Um es zu erreichen, muss ich lang gewöhnte und lieb gewonnene Einstellungen und Maßnahmen verändern. Das ist mir nicht leicht gefallen, weil auch ich gerne auf die Jagd gehe und unser heimisches Wild beobachte. Ich bitte diese Überlegungen zu bedenken, wenn Sie Ihren nächsten Waldspaziergang machen oder sich vom Auto aus am Wald erfreuen.

Jäger, Ökologen und Naturschützer sprechen oft von ?unser Wald?, auch wenn er Ihnen gar nicht gehört. Ich bitte alle, die den Wald als einen wichtigen Teil unserer Heimat empfinden und lieben, sich mit unseren Thema der Waldveränderung zu beschäftigen. Man findet in vielen Lebensbereichen ? auch in der Wirtschaft ? zurück zu ursprünglichen, oft schon vergessenen Maßnahmen. Ich denke dabei an die Verwendung von Holz zu vielerlei Produkten, die bisher aus Kunststoff gefertigt worden sind. Jeder von uns kann mithelfen durch den verantwortungsvollen Umgang mit dem kostbaren Erbe der Väter und vielleicht mit einer erneuerten Einstellung zu forstlicher Wirtschaftskraft  und Schönheit. Wald ist ein wesentlicher Teil von Gottes Schöpfung, die uns zum Nutzen und Bewahren anvertraut ist.



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