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Charivari

Einem bayerischen Mannsbild, einem jagerischen zumal (sowie einer bajuwarischen Amazone), braucht man begrifflich und inhaltlich einen Charivari nicht zu erklären. Da wir uns aber im weltweiten Netz bewegen, sei’s versucht: Charivari bedeutet Durcheinander; aber auch französisch „lautmalerisches Durcheinander“, Katzenmusik; Ständchen mit Lärminstrumenten. In Bayern ist’s eine Bauchkette mit emblemischen Anhängern; bei Jägern Teil der Jägertracht mit Bedeutung als jagdlicher Talisman, der überwiegend (oder ausschließlich?) zur Lederhose getragen wird. Somit erfreuen sich Charivaris in Süddeutschland, mit Schwerpunkt Bayern, besonderer Wertschätzung. Auch ich als „Wahl- und angeheirateter Bayer“ habe einen – und sogar einen echten, will sagen, einen individuellen, also einen selbstgestalteten, keinen gekauften – und kann mich mit diesem talismanischen Durcheinander durchaus anfreunden, ihn nicht aber auf die Jagd mitnehmen, weil ich Geklimpere auf der Jagd nicht brauchen kann. Obwohl, dies das Merkwürdige, allerlei Jagdliches an meiner Bauchkette baumelt: Eine Magulvesklaue (Magulves ist hier im nordrheinwestfälischen Rothaargebirge das heimische Scherzwort für den Eichelhäher); der Penisknochen eines Waschbären; der Knubbel eines Knopfbockes; der Milchzahn meiner überragenden Teckelhündin „Anschi“ (nur noch drei große Steine im Garten erinnern an sie und ihren Nachwuchs); die Grandel eines Alttieres; Fangzähne vom Fuchs; die braunen Nagezähne des Eichhörnchens; eine Keilerwaffe; ein Bergkristall; ein Maria-Theresia-Taler und… und… und… Und häufig, wenn es jagdlich offiziell wird, wenn das Brauchtum im Vordergrund steht, auch wenn es darum geht, die jagdliche Lebensform nach außen zu tragen (Stichwort: Außenwirkung im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit), dann schlupf ich in meine Hirschlederne und hänge die jagdliche Bauchkette auf den Hosenlatz. Also dieser (regional auch „dieses“) Charivari ist schon ein richtig schönes jagdlich-archaisches Amulett und demzufolge dürfte bei mir rein jagdlich eigentlich nichts schief gehen… Somit sind wir beim Brauchtum. Über das sich nicht nur unter Jägern trefflich streiten lässt. Die einen können und wollen ohne Brauchtum überhaupt nicht jagern, die anderen lehnen es als überflüssiges Klimbim per se ab. Objektiv gesehen macht das Brauchtum – egal, ob eher oberflächlich angewendet oder lustvoll ausgelebt – den entscheidenden Unterschied aus, der aus dem emotionslosen Totschießen erst das Jagen, oder besser, das Jagern macht. Dieser alpenländische Begriff „Jagern“ beinhaltet ja schon das gesamte sympathische Drumherum, das sich aus dem Jagen oder dem jägerischem Umfeld ergibt. Im „Jagdlichen Brauchtum“ sind unsere überwiegend althergebrachten, aber auch neuzeitlichen oder zeitgenössischen Sitten, Gebräuche und Rituale zusammengefasst. Diese können regional und landsmannschaftlich, aber auch sprachlich sehr unterschiedlich sein. Aus diesem Grunde sei dieser kleine Exkurs zum persönlichen Charivari (siehe Foto) als Anregung und Aufforderung an Sie als „Internet-Pirschgänger“ gedacht, über jagdliche Sitten und Gebräuche – also das Brauchtum – zu berichten.  

Wolfram Martin



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