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Die jagdliche Belletristik

Unter Belletristik (franz. belles lettres = „schöne Literatur“) verstehen wir „schöngeistiges Schrifttum“ oder einfach Unterhaltungsliteratur. Das gute Jagdbuch soll uns also unterhalten. Unterhalten, sagt sich so einfach, doch ist gute Unterhaltung, also Spannung erzeugender Lesestoff schon viel und auch ein hoher Anspruch. Viele neuere „grüne“ Erzählbände unterhalten insofern nicht mehr, als sie dem Jungjäger nicht viel Neues und dem alten, erfahrenen Jäger nur Althergebrachtes offenbaren. Seitenweise immer nur Totschießgeschichten locken heutzutage keinen Jäger mehr ins Buchgeschäft. Und dabei, vielmehr noch als das „grüne Fachbuch“, stellt unsere Jagdbelletristik im deutschsprachigem Raum ein Stück Jagdkultur allerersten Ranges dar, obwohl sie genau genommen erst im 19. Jahrhundert entstand und im Reiseschriftsteller Friedrich Gerstäcker (1816-1872) ihren ersten Vertreter hatte. Es folgen Namen wie Ludwig Thoma (1867-1921) Hermann Löns (1866-1814), Friedrich Freiherr von Gagern (1882-1947), Franz von Kobell, Egon von Kapherr, Eugen Ledebur und unser hochverehrter Ludwig Benedikt Freiherr von Cramer-Klett.

Letzterer ist es auch, den wir titelbildnerisch (siehe oben) und sinnbildlich vornan stellen und in unregelmäßigen Abständen immer wieder auf ihn zurückgreifen wollen. Warum, so muss die Frage lauten, warum wurden Cramer-Klett, Gagern und andere so berühmt und wurden und werden von Jägern so gerne gelesen? Nur weil sie unterhalten haben? Nein! Sie haben uns unterhalten und Visionen und Wege aufgezeigt und die Finger immer wieder in gärende, zumeist der Waidgerechtigkeit widersprechende Wunden gelegt und damit der Jägerschaft ständig den Spiegel vorgehalten. Und noch einmal darüber hinaus haben sie Bilder, Landschaften, Stimmungen und Situationen gemalt, in denen sich der ans Reviersystem gebundene deutsche Freizeitjäger wiederfinden und sie mitnehmen konnte in sein eigenes Revier. Somit haben unsere großen Jagdschriftsteller ganze Jägergenerationen beeinflußt – und beeinflussen sie noch heute. Deshalb werden wir hier in unregelmäßigen Abständen sowohl an Lebenswege, Visionen und Ideen unserer „alten Großen“ würdigend erinnern, als auch unsere „jungen Neuen“ vorstellen und uns mit ihren Werken wohlwollend kritisch auseinandersetzen.

Wolfram Martin

Erwin Hofer - Ein Kurzportrait

Nach drei Jahrzehnten als fest angestellter Journalist arbeitet Erwin Hofer heute als freier Publizist und Autor. Neben der journalistischen Arbeit widmete er sich in seiner Freizeit stets der Naturfotografie. Dennoch ist die Jagd in den Heimatbergen nach wie vor seine große Leidenschaft. Darüber hat er viele Reportagen und Berichte geschrieben, die in verschiedenen Zeitschriften im gesamten deutschen Sprachraum veröffentlicht wurden und großen Anklang fanden. Von Erwin Hofer sind im Athesia-Verlag bereits erschienen: „Pirsch auf einsamen Höhen – das Bergjagdbuch“ „Durch die Wälder – in die Berge“ „Zauber der Bergjagd – das Lied vom Gletscherwind“ „Unter weißen Gipfeln“ – Pirsch im Bergrevier (siehe auch unter Neuerscheinungen / Rezensionen) Erwin Hofer ist Träger des Kulturpreises des Südtiroler Jagdverbandes und wurde als einer der ganz wenigen Autoren für seine Bücher gleich zweimal mit dem renommierten „Literarischen Preis“ des Internationalen Rates für Jagd und Wild, CIC, bei den Generalversammlungen 2004 in Bukarest und 2007 in Zypern ausgezeichnet. E-Mail: mailto:erwin[at]erwinhofer.de 

Wolfram Martin

Christoph von Schmid: Dem Erzähler der Jugend

Ein merkwürdiges Titelbild, werden Sie vielleicht denken, das da als Titelbild auf der Seite „Jagdbelletristik“ erscheint. Ein Denkmal… Ein Erzähler…

Dieses Denkmal entdeckte ich anlässlich eines kleinen Pirschganges während des Landesjägertages 2009 in der schönen Stadt Dinkelsbühl. Es steht dort vor dem Dinkelsbühler Münster St. Georg und es faszinierte mich durch seine zwingende, anrührende Intimität: Ein Erwachsener mit zwei ihm zu Füßen knieenden Kindern. „Dem Erzähler der Jugend“ war auf einer Bronzetafel zu lesen und weiter: Christoph von Schmid 1768 – 1854. Irgendwie war mir dieser Name schon einmal untergekommen, doch im Moment des Betrachtens und Grübelns vor dem Münster sagte mir der Name nichts. Doch diesen Zusatz: Dem Erzähler der Jugend…, den nahm ich mit, der setzte sich fest sogar bis zum ökumenischen Hubertusgottesdienst im Münster und ich bedauerte ein wenig, dass nicht mehr der vielen anwesenden Jäger dem Erzähler der Jugend eine kurze, innehaltende Referenz erwiesen. Christoph Schmid wurde am 15. August in Dinkelsbühl in der Klostergasse 19 geboren und entstammte einer Beamtenfamilie, die im Diensten des Deutschen Ordens stand. Er war später römisch-katholischer Priester und Schriftsteller und der erfolgreichste Kinder- und Jugendbuchautor seiner Zeit mit einer für einen damaligen Geistlichen bemerkenswerten Naturverbundenheit. Neben anderen Kirchenliedern ist „Ihr Kinderklein kommet“ sein bekanntestes und berühmtestes. Doch auch seine Kindergeschichten und Fabeln sind in großer Zahl bis in unsere Zeit erhalten. Er besuchte die Volksschule, bekam dann Privatunterricht in einem Kloster, ging zwei Jahre auf die katholische Lateinschule in Dillingen und nach der Reifeprüfung als Hauslehrer zu einer wohlhabenden Familie, wo wahrscheinlich sein erzählerisches Talent zum Vorschein kam. Später entschied er sich für den Beruf des Geistlichen und immatrikulierte sich an der bischöflichen Universität Dillingen. 1791 empfing er die Priesterweihe, ging nach Nassenbeuren bei Mindelheim und wurde später Kaplan in Seeg. 1816 wurde er Pfarrer in Oberstadion bei Ulm, 1827 Domkapitular in Augsburg und Verwalter des Schulwesens. Der bayerische König Ludwig I. erhob ihn 1837 in den Adelsstand. Ihm wurden weiterhin zahlreiche Ehrungen zuteil. Sein 80. Geburtstag war ein öffentlicher Feiertag in Augsburg. Am 3. September 1854 starb Christoph von Schmid an den Folgen der zu jener Zeit in Augsburg wütenden Cholera. Viele seiner 190 erhaltenden Kurzfabeln enden mit einem Vers.

So auch „Die Vögel“:

Nimmst du den Vögeln Nest und Ei, Ist’s mit Gesang und Obst vorbei, Laß doch in Ruhe, liebes Kind, Die Tierchen, die unschädlich sind.

Und so soll Christoph von Schmid, der Erzähler der Jugend, uns heutige Jagdbelletristiker gemahnen, die Jugend nicht zu vergessen und somit immer die Zukunft der Jagd im Auge zu behalten.   Wolfram Martin



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