Christoph von Schmid: Dem Erzähler der Jugend
Ein merkwürdiges Titelbild, werden Sie vielleicht denken, das da als Titelbild auf der Seite „Jagdbelletristik“ erscheint. Ein Denkmal… Ein Erzähler…
Dieses Denkmal entdeckte ich anlässlich eines kleinen Pirschganges während des Landesjägertages 2009 in der schönen Stadt Dinkelsbühl. Es steht dort vor dem Dinkelsbühler Münster St. Georg und es faszinierte mich durch seine zwingende, anrührende Intimität: Ein Erwachsener mit zwei ihm zu Füßen knieenden Kindern. „Dem Erzähler der Jugend“ war auf einer Bronzetafel zu lesen und weiter: Christoph von Schmid 1768 – 1854. Irgendwie war mir dieser Name schon einmal untergekommen, doch im Moment des Betrachtens und Grübelns vor dem Münster sagte mir der Name nichts. Doch diesen Zusatz: Dem Erzähler der Jugend…, den nahm ich mit, der setzte sich fest sogar bis zum ökumenischen Hubertusgottesdienst im Münster und ich bedauerte ein wenig, dass nicht mehr der vielen anwesenden Jäger dem Erzähler der Jugend eine kurze, innehaltende Referenz erwiesen. Christoph Schmid wurde am 15. August in Dinkelsbühl in der Klostergasse 19 geboren und entstammte einer Beamtenfamilie, die im Diensten des Deutschen Ordens stand. Er war später römisch-katholischer Priester und Schriftsteller und der erfolgreichste Kinder- und Jugendbuchautor seiner Zeit mit einer für einen damaligen Geistlichen bemerkenswerten Naturverbundenheit. Neben anderen Kirchenliedern ist „Ihr Kinderklein kommet“ sein bekanntestes und berühmtestes. Doch auch seine Kindergeschichten und Fabeln sind in großer Zahl bis in unsere Zeit erhalten. Er besuchte die Volksschule, bekam dann Privatunterricht in einem Kloster, ging zwei Jahre auf die katholische Lateinschule in Dillingen und nach der Reifeprüfung als Hauslehrer zu einer wohlhabenden Familie, wo wahrscheinlich sein erzählerisches Talent zum Vorschein kam. Später entschied er sich für den Beruf des Geistlichen und immatrikulierte sich an der bischöflichen Universität Dillingen. 1791 empfing er die Priesterweihe, ging nach Nassenbeuren bei Mindelheim und wurde später Kaplan in Seeg. 1816 wurde er Pfarrer in Oberstadion bei Ulm, 1827 Domkapitular in Augsburg und Verwalter des Schulwesens. Der bayerische König Ludwig I. erhob ihn 1837 in den Adelsstand. Ihm wurden weiterhin zahlreiche Ehrungen zuteil. Sein 80. Geburtstag war ein öffentlicher Feiertag in Augsburg. Am 3. September 1854 starb Christoph von Schmid an den Folgen der zu jener Zeit in Augsburg wütenden Cholera. Viele seiner 190 erhaltenden Kurzfabeln enden mit einem Vers.
So auch „Die Vögel“:
Nimmst du den Vögeln Nest und Ei, Ist’s mit Gesang und Obst vorbei, Laß doch in Ruhe, liebes Kind, Die Tierchen, die unschädlich sind.
Und so soll Christoph von Schmid, der Erzähler der Jugend, uns heutige Jagdbelletristiker gemahnen, die Jugend nicht zu vergessen und somit immer die Zukunft der Jagd im Auge zu behalten. Wolfram Martin