Resolution des Präsidiums und des Landesausschusses des BJV vom 10. März 2010
Für eine moderne Jagd
Mit äußerster Schärfe protestiert der Bayerische Jagdverband gegen forstministerielle Bestrebungen, insbesondere die im BJV organisierten Jägerinnen und Jäger aus ihrer wichtigen Aufgabe eines artengerechten Wildmanagements zu verdrängen. Anlass ist die Arbeit einer geheimen Projektgruppe im Auftrag des Bayerischen Staatsministeriums für Ernährung Landwirtschaft und Forsten, in der die bisherige Jagdstruktur (Jagdordnung) zum größten Hindernis für den Waldumbau erklärt wird.
Nicht nur, dass der Bayerische Jagdverband mit seinen rund 43.000 Mitgliedern von den Beratungen ausgeschlossen war. Für die Jäger ist es auch unerträglich, dass nach Auffassung der Projektgruppe der „gute Jäger“ für eine „gute Jagd“ erst mit einem „neuen medialen Humus“ geschaffen werden muss. Diese Aussagen stehen in krassem Widerspruch zu den jahrelangen Feststellungen der Staatsregierung und des Parlaments. Auch die Wertschätzung, die Staatsminister Helmut Brunner und die Jagdbehörden immer wieder für die Arbeit und Leistungen der Jäger im Wildmanagement und im Naturschutz öffentlich ausgedrückt haben, wird durch die Arbeit der Projektgruppe diskreditiert.
Die bayerischen Jäger praktizieren eine moderne Jagd, die den Anforderungen an Wald und gegenüber dem Wild in gesellschaftlicher Mitverantwortung gerecht wird.
Der Bayerische Jagdverband fordert den umgehenden Stopp der Umsetzung der Vorschläge der Projektgruppe, die den Steuerzahler Millionen kostet. An jeder Gestaltung der Jagdordnung muss der Bayerische Jagdverband beteiligt sein.
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BJV-Präsident Vocke erklärt: Wir nehmen Diffamierung der Jägerschaft nicht hin!
Der Artikel "Flächenbrand in Bayern" in der aktuellen Ausgabe der Jagdzeitschrift Wild und Hund" (Ausgabe 5/2010, s. unten) hat viel Aufsehen erregt - ganz zu Recht!
Dem Zeitungsbericht liegt ein bis heute geheim gehaltener Abschlussbericht einer im Auftrag des damaligen Bayerischen Staatsministeriums für Landwirtschaft und Forsten installierten Projektgruppe "Waldumbau - Klimawandel" vom 23. Oktober 2008 zugrunde.
Wir, die bayerischen Jägerinnen und Jäger, werden hier als verfilzt und uneinsichtig bezeichnet. Der zu erwartende Generationenwechsel innerhalb des BJV soll dazu genutzt werden, ein neues Bild von der Jagd zu schaffen: An die Stelle eigenverantwortlichen Bürgerengagements soll die „Jagd als Dienstleistung“ unter dem Motto „Wald vor Wild“ treten.
Was wir als waidgerechte Jagd tagtäglich in den Revieren leisten, soll in der Gesellschaft über eine zielgerichtete Öffentlichkeitsarbeit („medialer Humus“) als „veraltet, überkommen und muffig“ vermittelt werden. Dazu passt, dass der Ökologische Jagdverein Bayern (ÖJV) unserem BJV gleichgestellt werden soll.
Eine solche Schmierenkampagne können und wollen wir uns nicht bieten lassen! Präsident Prof. Dr. Vocke hat sofort das Gespräch mit Staatsminister Brunner und weiteren hohen Verantwortlichen gesucht, um unsere Empörung und scharfen Protest auszudrücken. Im Rahmen der nächste Woche stattfindenden Präsidiumssitzung des BJV werden konkrete Gegenmaßnahmen beschlossen.
Die Politik muss jetzt reagieren! Hier liegt ein Angriff gegen die gesamte bayerische Jägerschaft vor, zugleich aber auch eine einmalige Illoyalität von Teilen der Ministerialbürokratie gegenüber der Staatsregierung:
Während der damalige Ministerpräsident Dr. Beckstein und der damalige Staatsminister Miller beim Landesjägertag in Bamberg 2008 uns Jägerinnen und Jäger als verlässliche Partner lobten, arbeitete die Bürokratie zeitgleich ein Konzept aus, wie die waidgerechte Jagd und der BJV möglichst effektiv demontiert werden können.
Unser Vertrauen in die betroffenen Ministerialbeamten ist zerstört! Dies gilt umso mehr, da wir bereits die teilweise Umsetzung der Projekt-Empfehlungen beobachten. So z.B.:
- Eine kürzlich stattgefundene Schulung des Bund Naturschutzes für Jagdbeiräte, die sich als ÖJV-Veranstaltung entpuppt hat und seitens der Verwaltung nachhaltig unterstützt wurde.
- Die gegen den ausdrücklichen Protest des BJV im Obersten Jagdbeirat angenommene sog. „Drei-Phasen-Strategie“ zum Vollzug des Jagdgesetzes: Hier sind Zwangsmaßnahmen und Ersatzvornahmen vorgesehen, falls wir Jägerinnen und Jäger der Abschussquote nicht gerecht werden.
- Der ausdrückliche Wunsch des Landwirtschaftsministers Helmut Brunner, neben der Abschussplanung dringend auch Maßnahmen zur Wildtier-Lebensraumverbesserung in den jeweiligen Regionen zu berücksichtigen, wurde in dem sog. Windisch-Drei-Phasen-Papier völlig negiert.
- Eine Verfahrensanleitung der Regierung von Niederbayern, die eine weitestgehende Bindungswirkung der Abschussempfehlungen der Ämter für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten gegenüber den Unteren Jagdbehörden im Rahmen der Abschussplanung festschreibt. Die Einigung zwischen Jagdvorstand und Jagdpächtern wird hier in die Bedeutungslosigkeit gedrängt. Auch werden u.a. detaillierte Vorgaben zu den Pachtverträgen und zum körperlichen Nachweis erlegten Wildes gegeben.
- Eine Verfahrensanleitung der Unteren Jagdbehörde am Landratsamt Landshut: Hier wird u.a. die Bindungswirkung der Forstlichen Gutachten festgeschrieben, genauso wie Forderungen nach Zwischenstreckenlisten, Vorschriften zur Schwarzwild- und Krähenjagd sowie Forderungen nach körperlichem Nachweis.
Dieser Auszug belegt eines klar: Die private Jägerschaft wird geschnitten und hinsichtlich der Abschussplanung entmündigt. Das langjährig bewährte Einvernehmen zwischen Waldbesitzern, Landwirten, Jagdgenossen, Unteren Jagdbehörden und Jägern soll unterhöhlt werden. Das ist unverantwortlich! Dies schadet nicht nur der Jagd, sondern dem Gemeinwohl. Der soziale Friede unter den betroffenen Bürgern wird vorsätzlich und in einseitigem Interesse aufs Spiel gesetzt.
Wir Jägerinnen und Jäger müssen jetzt zusammenstehen! Diese perfide eingespeiste Zerschlagung unserer bewährten Jagd muss auf allen Ebenen erkannt, angeprangert und verhindert werden.
Artikel aus der Wild und Hund: Flächenbrand in Bayern
Mittlerweile liegt uns ein weiterer Presseartikel zu obigen Thema vor, den wir Ihnen nicht vorenthalten wollen. Sie können diesen unter dem unten angegeben Link herunterladen und ansehen:
"Skandal-Papier" entsetzt Jagdverband
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Unterschriftenaktion des Bayerischen Jagdverbandes zum Erhalt der Grundsätze des Jagdrechts und der Waidgerechtigkeit
– BJV bündelt Interessen der bayerischen Jägerinnen und Jäger –
Die Föderalismusreform des Bundesgesetzgebers wollte die vom Deutschen Jagdschutz-Verband (DJV) immer wieder in Abrede gestellte Vielfalt im Jagd- und Naturschutzrecht für die einzelnen Bundesländer: Regionale Besonderheiten sollen hierdurch besser zur Geltung kommen. Der BJV unterstützt diese föderale Ausrichtung, will aber zugleich grundlegende Konstanten des Jagdrechts in Deutschland, wie etwa das Revierjagdsystem oder das Prinzip der Waidgerechtigkeit, bundeseinheitlich erhalten.
Die jagdrechtlichen Entwicklungen in Rheinland-Pfalz und im Saarland gefährden aktuell die traditionellen Grundsätze des deutschen Jagdwesens. Dies lehnt der BJV ausdrücklich ab und bekundet seine Solidarität mit der dortigen Jägerschaft. Die Stärkung der Landesjagdverbände – vom BJV über zwei Jahre eingefordert und vom DJV genausolang ausgeschlagen – ist nun dringender denn je: Denn auch andere Bundesländer sind vor ähnlichen Gesetzesänderungen nicht gefeit. Nur gut ausgestattete Landesjagdverbände können in einer solchen Situation rechtzeitig derartige Fehlentwicklungen verhindern.
Die Grundsätze der Waidgerechtigkeit prägen das Jagdrecht in Bayern. Die ethischen Eckpunkte des bayerischen Jagdwesens müssen erhalten bleiben. Der BJV fordert daher:
- Die Grundsätze der Waidgerechtigkeit als festen Bestandteil des jagdlichen Handelns zu stärken. Besonders der Muttertierschutz muss höchste Priorität behalten.
- Unserem heimischen Schalenwild, vor allem dem Rotwild, wieder Teile seines ursprünglichen Lebensraums auch außerhalb der Wälder zurückzugeben.
- Es muss ein verträgliches Miteinander zwischen Landwirtschaft, Wald und Wild geben – unser Schalenwild darf nicht zum reinen Schädling degradiert werden. Waidgerechte Jäger sind keine Schädlingsbekämpfer!
- Der BJV ist anerkannter Naturschutzverband, die waidgerechte Jagd ist aktiver Naturschutz: das muss allgemein anerkannt werden!
- Konstanz bei der Revierverpachtung – nur bei langfristigen Verpachtungen ist eine waidgerechte, nachhaltige Nutzung natürlicher Ressourcen und ein naturnahes Wildtiermanagement möglich.
- Rebhuhn, Hase und Fasan stehen vor dem Aus – lebensraumunterstützende Maßnahmen und die Fangjagd als effiziente Möglichkeit der Prädatorenreduktion müssen verstärkt umgesetzt werden.
- Jagdliches Brauchtum, Traditionen und kulturelle Veranstaltungen, wie z.B. das Jagdhornbläserwesen, gehören zur Jagd in Bayern und müssen unterstützt sowie ständig gepflegt werden.
- „Jagd ohne Hund ist Schund“ – gut ausgebildete Jagdhunde sind für eine waidgerechte Jagd unverzichtbar. Ihre Ausbildung muss höchsten Stellenwert behalten.
Die Unterschriftenliste ist direkt bei der Landesgeschäftsstelle des Bayerischen Jagdverbandes erhältlich oder kann unter folgendem Link heruntergeladen werden:
Unterschriftenliste
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Landesjagdverband Bayern e.V., Hohenlindner Str. 12, 85622 Feldkirchen
Tel.: 089/990 234 -0 / Fax: 089/990 234 35, E-Mail: info[at]jagd-bayern.de